Landschildkröten

Wie ich zu den Schildkröten kam

Als ich vor über 30 Jahren im Alter von gerade mal 13 meine erste Schildkröte kaufte, gab es im Handel für 20 D-Mark die frisch eingetroffenen Vierzehen Landschildkröten just importiert aus den südlichen Sowjetrepubliken. Ich hatte gar keine Ahnung von Schildkrötenhaltung und war mit den Tieren – denn es kamen schnell noch ein paar dazu – total überfordert, ohne dies jedoch zu wissen. Ich kaufte damals das einzig im Handel erhältliche Buch von GU, zu dem ich mich allerdings nicht weiter äußern möchte…(das sagt doch schon alles…). Tipps von Nachbarn beinhalteten Aussagen wie: „bloß keinen Regen abbekommen lassen,… Kopfsalat und Obst sowie in Milch eingeweichtes Brot verfüttern,… dunkel und kühl, aber unbedingt trocken im Keller überwintern lassen“… etc…

Man kann sich vorstellen, dass meine ersten Schildkröten nicht lange lebten und die Tiere meine mangelnde Erfahrung der ersten Jahre mit ihrem Leben bezahlen mussten. Das war ein mehr als trauriger Einstieg in die Schildkrötenhaltung und es hat mich in dem Bestreben bestärkt, das Wissen, was ich mir in nun mehr als drei Jahrzehnten angeeignet habe, an Neulinge und Interessierte gern weiterzugeben. Allerdings denke ich, dass das am Besten in einem persönlichen Gespräch möglich ist, denn oftmals fallen den Einsteigern in die Schildkrötenhaltung vor Ort noch weitere Fragen ein. Dennoch habe ich mich entschlossen, meine Haltung hier einmal wenigstens in groben Zügen darzustellen und sie mit einigen Fotos zu untermauern.

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1,0 Thh
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0,1 Thb im Halbschatten dösend

Nachdem auch ich in den ersten Jahren alles an Landschildkröten gesammelt und zusammen gesetzt habe, dessen ich habhaft werden konnte, was natürlich überhaupt nicht artgerecht ist, habe ich vor mehr als 15 Jahren damit begonnen, mich langsam zu spezialisieren. Nach und nach trennte ich mich von diversen Arten und später Unterarten der Griechischen Landschildkröte.

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Thh und Tm gemeinsam im Innengehege
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0,1 Thb und 0,1 Thh nutzen den gleichen Eiablagehügel

Zum Einen ist es eine Platzfrage.
Zum Anderen steht für mich als Leitfaden der Schildkrötenhaltung eine These unangefochten im Vordergrund: Schildkröten sind Wildtiere.

Sie sind instinktgesteuerte Reptilien und in keinster Weise domestizierbar und anpassungsfähig. Daher habe ich es mir zu eigen gemacht, mit meiner Haltung das natürliche Leben so gut es mir möglich ist nachzuempfinden.
Dazu gehört ein intensives Studium der Ursprungshabitate und der Lebensweise der Schildkröten unter natürlichen Bedingungen (bitte beachten Sie hierzu meine Literaturhinweise und Angaben zu entsprechenden Links). Ich halte nun nur noch die Nominatform der Griechischen Landschildkröte, Testudo hermanni hermanni, sowie die Europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis orbicularis, welche hier aber mal eine untergeordnete Rolle spielen soll, da es mir hauptsächlich um die Haltung der Griechischen bzw. Italienischen Landschildkröte geht.

Da in freier Wildbahn keine natürlichen Schnittpunkte mit anderen europäischen Landschildkrötenarten vorkommen, ist es nur konsequent und artgerecht, Testudo hermanni hermanni nicht mit anderen Arten oder Unterarten zu mischen.
Der Einwand, dass in der Umgebung von Livorno in der Toskana, Italien, Testudo marginata parallel im selben Habitat vorkommt, kann hier nicht gelten, da diese dort vom Menschen eingeführt worden ist.

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Tm der Livorno-Population im Habitat, Toskana 2009
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Emys orbicularis und Höckerschildkröte Heinrich beim Sonnenbaden

Ferner bin ich ein absoluter Gegner der Züchtung von Bastarden.
Seit ich meine Unterarten getrennt halte, stieg die Befruchtungsrate der Eier abrupt deutlich an (mal nur so als kleiner Hinweis…).
Heute halte ich also nur noch Tiere der westlichen Unterart. Weibchen sollten immer deutlich in der Überzahl sein, um so bei paarungswütigen Männchen Stress der stürmisch umworbenen Weibchen zu vermeiden. Meine Tiere leben ganzjährig mit Ausnahme der Winterstarre in einem knapp 125qm großen Freilandgehege mit einem etwa 10qm großen Gewächshaus, in welchem sie sich in der Übergangszeit sowie des nachts und bei schlechtem Wetter aufhalten können.

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Das Gewächshaus dient auch zur Überwinterung einiger mediterraner Pflanzen
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Einblick ins Schildkrötenhaus
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Teilansicht Gehege Thh und Emys orbicularis-Teich
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Ein Wildgehege ist kein Ziergarten

Temperaturregulierung

Die ein bis zweijährigen Jungtiere befinden sich in einem 2qm großem Alltop-Frühbeet, in welchem ein 230 Watt Halogenstrahler sowie ein 100 Watt Elstein-Dunkelstrahler als Schutz vor Frost montiert wurden. Eine zusätzliche Bestrahlung mit UV-Licht halte ich bei einem Alltop-Frühbeet für nicht erforderlich.

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Alltop-Frühbeete sind als einzige UV-Strahlen durchlässig
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Blick ins Innere des Frühbeets

Um eine Überhitzung zu vermeiden, stelle ich bei Sonneneinstrahlung die Lampe aus, hydraulische Fensterheber verhindern durch automatisches Öffnen zu heiße und damit tödliche Temperaturen im Frühbeet. Ein geschlossenes Frühbeet in der prallen Sonne erreicht schnell Temperaturen von über 60 Grad Celsius, was zum Tode der der Hitze nicht entfliehenden Schildkröten führen würde!

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Montierter Fensterheber
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Gehegeansicht im Mai 2015

Auch im Gewächshaus sind drei Halogenstrahler installiert, welche es den Schildkröten bei zu niedrigen Temperaturen ermöglichen, auf ihre Vorzugstemperatur von 35 Grad Celsius zu kommen.

Diese Temperatur benötigen unsere Schützlinge, um einen optimalen Stoffwechsel zu haben. Als wechselwarme Tiere sind sie auf Wärmezufuhr von außen angewiesen. Um möglichst schnell ein optimales Aufwärmen zu ermöglichen, habe ich die Baustrahler so montiert, dass in ihrem Lichtkegel eine Temperatur von etwa 45 Grad Celsius herrscht. Das entspricht etwa der Temperatur in der prallen Sonne im Habitat.

In den Übergangszeiten im Frühjahr und Herbst sorgt ein elektrischer Heizlüfter dafür, dass die Temperatur nachts nicht mehr unter 10 Grad Celsius fällt.

Frühbeet und Gewächshaus stehen so im Gehege, dass sie bereits morgens von der Sonne beschienen werden können, damit die Schildkröten möglichst früh ihre Vorzugstemperatur erreichen. Dabei gilt der einfache Grundsatz, dass Morgensonne für die Tiere wichtiger ist als Abendsonne.

Dem Bodengrund ist in der Schildkrötenhaltung besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Lehmiger Boden hält die Feuchtigkeit zu lang und sorgt somit durch Verdunstung für zu niedrige Temperaturen. Daher habe ich den Boden sowohl in den Schutzhäusern als auch im Freigehege mit Betonkies, Sand, Schotter und Steinen in unterschiedlicher Größe aufgearbeitet. Er ist damit wasserdurchlässiger und trocknet wie im Habitat schneller aus.

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Mit Sand und Schotter aufgearbeiteter Boden trocknet nach Regen schneller wieder ab
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Gehegegestaltung mit Steinen als Wärmespeicher

In den Unterschlüpfen belasse ich fetteren Lehmboden, damit die Tiere kühlere und feuchtere Rückzugsmöglichkeiten haben. Abgedeckt wird dieser Bereich mit Stroh, da dieses nicht so schnell schimmelt wie Heu. Gerade Schildkröten im Wachstum sind besonders auf eine in Teilen auch feuchtere Umgebung angewiesen, da sie sonst mit einem Fehlwachstum (Höckerbildung) reagieren können.

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Unterschlupf im Gewächshaus
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Unterschlupf der Babies im Frühbeet

Die richtige Gestaltung des Freigeheges

Beim Bau des Gewächshauses und des Frühbeetes habe ich darauf geachtet, dass Fressfeinde wie Marder, Fuchs, Ratten und Mäuse vom Boden her, sowie Krähenvögel aus der Luft, nicht zur Gefahr werden können. Marder, Fuchs und Ratten sind für jede Schildkröte eine Gefahr. Elstern und Krähen vergreifen sich eher an kleinen juvenilen Schildkröten und sollten durch ein Netz oder Drahtgeflecht von Schildkröten unter 300g ferngehalten werden.

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Katzenklappe als verschließbarer Eingang verhindert Zugluft am Boden
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Von einer Ratte getötete und vollständig aufgefressene Thb von etwa 250g

Ein Betonfundament oder ein engmaschiger Kaninchendraht bieten Schutz von unten. Mein Gewächshaus hat als Zugang eine Katzenklappe, welche des nachts verschlossen wird. Zurück zum Bodengrund: Betrachtet man das natürliche Habitat und nimmt es als Vorbild, so darf man keine toskanische Kulturlandschaft im Freigehege nachstellen, sondern einen Teil des Lebensraumes der Schildkröten. Das hat nichts mit einem schön ordentlich gestalteten Ziergarten oder gar einem Englischen Rasen zu tun. Es ist die Kopie eines Lebensraumes, wild bewachsen, hügelig, steinig, aus Perspektive der Schildkröten etwas undurchsichtig und damit schützend vor Fressfeinden. Es beinhaltet Versteck- und Futterpflanzen, Unterschlüpfe und Sonnenflecken, eine Möglichkeit zur Eiablage, eine Wasserstelle und immer wieder die Möglichkeit, sich im lichten Schatten zu verstecken.Auf einem 1000qm großem Rasengrundstück wird sich eine Schildkröte nicht sicher fühlen und immer wieder versuchen, auszubrechen. Hingegen können 50qm abwechslungsreich gestaltetes Wildtiergehege einen vollwertigen Lebensraum bieten.

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Gehege aus der Sicht der Schildkröte
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Größere Steine dienen als Wärmespeicher
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Idealer Unterschlupf
Margarita
0,1 THH Menorca Süd, 1300 Gramm

Zur Gehegeumfriedung möchte ich noch ein paar Worte sagen:
Sie dient zum Schutz vor Aus- und Einbruch. Fressfeinde sollten abgehalten werden können, Schildkröten am Ausbruch gehindert werden.
Ein gut strukturiertes Gehege, welches alle Bedürfnisse der Schildkröten deckt, führt im Allgemeinem dazu, dass die Tiere Ausbruchsversuche unterlassen. Die Ausnahme sind hier nur einige Weibchen zur Zeit unmittelbar vor der Eiablage, dem natürlichen Wandertrieb folgend. Ich habe zur Begrenzung diverse Materialien in den letzten Jahrzehnten verarbeitet und empfehle heute Holzpalisaden und/oder eine Steinmauer, welche erstens nicht verrottet und zweitens zusätzlich Wärme speichern kann, was zu einem günstigeren Microklima meines Geheges führt. Ich habe darauf geachtet, dass meine Schildkröten die kleine Mauer nicht überklettern können, da sie dann im Sumpfschildkrötenteich landen würden. Ferner habe ich auf ein Eingraben der Mauer verzichtet, da sich meine Tiere nicht untendurch graben wollen. Anscheinend haben sie in ihrem Gehege alles, was sie benötigen.

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Trockensteinmauer um den Teich
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Trockensteinmauer um das winterliche Gehege

Gehegepflanzen

Ich habe grob in zwei Sorten von Gehegepflanzen unterschieden. Zum einen gibt es Pflanzen, welche nicht gefressen werden und zur Gehegestrukturierung dienen. Dazu gehören u.a. mediterrane Kräuter wie Lavendel, Salbei, Oregano, Majoran, Bergbohnenkraut, Thymianarten sowie Currykraut etc… Ferner Zistrosen, Palmlilien, Fünffingerstrauch, Bambus, Zypressen, Heidekraut, Zwergpalmen, aber auch Efeu und Ginster.

Gehegepflanzen

Sowohl Efeu als auch Ginster gelten als giftig und werden immer wieder als gefährlich tituliert. Ich kann mich dem absolut nicht anschließen. Bei meinen zahlreichen Besuchen in der Toskana konnte ich feststellen, dass die Wälder, in denen noch ursprüngliche Populationen der Italienischen Landschildkröte leben, voll von Efeu sind und ein weiterer Lebensraum, die Macchia über und über voll mit Ginsterarten bewachsen ist, wobei meine Schildkröten zufällig aufgenommene Efeublätter wieder ausspucken, Ginsterblüten aber begierig fressen ohne Schaden zu nehmen. Das tun sie überdies auch im Habitat, warum also nicht in einem der Natur nachempfundenen Wildtiergehege?

So manch eine als giftig geltende Pflanze gehört zum natürlichen Nahrungsspektrum unserer Schildkröten. Dennoch verzichte ich auf das gezielte Zufüttern von Giftpflanzen und vermeide solche, bei denen ich nicht sicher bin. Absolut sicher bin ich bei Eibe, Rhododendron, Azaleen und Engelstrompete. Diese Pflanzen sind hochgefährlich für Landschildkröten und sollten auch nicht in unmittelbarer Nähe eines Geheges wachsen. Die zweite Pflanzengruppe in meinem Gehege ist die der Futterpflanzen. Während meine Nachbarn jeden Löwenzahn einzeln rausziehen, bemühe ich mich zum Unverständnis der umliegenden Betrachter um Aussaat des Selbigen. Doch nicht nur Löwenzahn gehört zu den Futterpflanzen, welche sich Jahr für Jahr im Gehege bemühen um zur Blüte zu kommen, auch Weiß-und Rotklee, Wegwarte, Taub- und Brennnessel, Wiesenpippau, Malvenarten, wilde Erdbeeren, Brombeeren, Knoblauchrauke, Gänsedisteln, Kompasslattich, Wildrosen, Hibiskus, Storchenschnabel, Luzerne, Hauswurz, Sedum-Arten, Mohn, Gelbsenf, Stockrose, Labkraut, Borretsch, Ringelblume, Glockenblumen, Hirtentäschel, Wiesenschaumkraut, Wucherblume, Winde, Wicke, Wilde Möhre, Hornklee, Gilbweiderich, Nacht- und Königskerzen, Spitz- und Breitwegerich, Gänsefingerkraut, Lungenkraut, kriechender Hahnenfuß, Vogelmiere und Veilchen… .

Futterpflanzen

Zugegeben wachsen nicht alle Wildkräuter gleich gut und ständig oder schaffen es bis zur Blüte. Daher suche ich zusätzlich diverse Futterwiesen auf, welche im Ruhrgebiet gar nicht so leicht zu finden sind und sammle ergänzend dazu. Je mehr unterschiedliche Planzen man füttert, um so gesünder ist die Schildkröte, da man den Bedarf an Vitaminen und Mineralien, Roh- und Ballaststoffen etc. besser abdecken kann. Ferner biete ich meinen Tieren gekauftes oder selbsthergestelltes Kräuterheu, welches aber je nach Individuum unterschiedlich angenommen wird. Testudo hermanni hermanni gehört zu den Feinschmeckern unter den Landschildkröten und kann mitunter extrem stur bei der Futterauswahl sein. Hier hilft es schon, wenn man frisch gepflückte Wildkräuter zwei, drei Tage liegen lässt, sodass sie leicht angewelkt sind. Je höher der Rohfaseranteil des Futters ist, desto gesünder ist es für die Schildkröten! Darmparasiten können sich deutlich schlechter vermehren, eine längere Darmpassage des Futters führt zudem zu einer besseren Aufspaltung in die einzelnen zu verwertenden Bestandteile der Nahrung im Darm.
Im Frühjahr kann es vorkommen, dass noch nicht ausreichend Wildkräuter zu finden sind. Ich verfüttere dann Romanasalat mit geraspelten Möhren, wobei ich Kräuterheu untermische. Das sind die einzigen Kulturpflanzen, welche ich kaufe und füttere bis ich dann spätestens ab Ende März/Anfang April ausreichend Wildkräuter finden kann. Möhren sind zudem wurmtreibend und werden von mir in Abständen immer mal wieder verfüttert.

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Futtermischung mit Kräuterheu, Romanasalat und geriebener Möhre
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Diverse Kalklieferanten: Sepia, Schneckenhäuser und zerstoßene, abgekochte Hühnereischalen
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0,1 Thh beim Nagen an Wildknochen
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Schildkröten nagen an Knochen wie Hunde

Von allen anderen Salaten und gezüchteten Pflanzen rate ich dringlichst ab!

Eine abwechslungsreich ernährte Schildkröte neigt weniger zu Erkrankungen!

Meine Tiere füttere ich nicht an festgelegten Plätzen, sondern fördere ihren Trieb als Weidegänger, indem ich das Futter im Gehege an unterschiedlichen Orten verteile.
Schildkröten haben einen erhöhten Kalkbedarf. Im Habitat decken sie diesen zumeist durch Aufnahme von Pflanzen, welche auf sehr kalkhaltigem Boden wachsen. Zusätzlich nagen sie an Knochen, fressen Schneckenhäuser und in Strandnähe auch Muscheln und Sepiaschalen. Ich verteile sowohl im Gehege als auch im Gewächshaus und Frühbeet großzügig abgekochte Eierschalen sowie Sepiaschalen aus dem Handel. Meine Schildkröten entscheiden selbst und instinktiv, wie viel Kalk sie zu sich nehmen wollen und nagen dann entsprechend ihrem Bedarf mal mehr, mal weniger. Im Gehege befinden sich mehrere Wasserschalen, welche ich täglich neu fülle, sie vorher jedoch mit einer Bürste reinige.
Der tägliche Zugang zu frischem Wasser ist unerlässlich! Die Wasserschale der Babies ist mit Kieselsteinen gefüllt, um im Falle des auf den Rückenfallens leichteres Umdrehen zu ermöglichen.

Eiablage und Aufzucht

Zu einem gut strukturiertem Freigehege gehört auch mindestens ein Eiablageplatz. Meine Weibchen legen zumeist im Gewächshaus unter einem der Halogenstrahler, entweder am Vormittag oder aber am späten Nachmittag. In der Mittagszeit ist es den Weibchen zu warm und sie verkriechen sich in den Schatten um dann bei Abkühlung, gern bei schwül-warmen Wetter, sich erneut auf die Suche nach einem geeigneten Platz zu begeben.
Nur bei wirklich warmen Wetter legen meine Tiere auch im Freigehege. Ein eigens angelegter Eiablagehügel hat sich bei mir nicht bewährt, die Tiere nutzen draußen dann das hügelige oder terrassenförmige Gelände, aber immer in der Nähe von großen Steinen oder kleinen Büschen.

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1,1 Thh bei der Paarung
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Fortuna, Thh, bei der Eiablage

Manche meiner Weibchen legen nur ein Gelege pro Saison, einige zwei bis drei Gelege. Meine Donatella hatte 2014 vier Gelege mit insgesamt 13 Eiern, von denen 9 befruchtet waren! Das ist aber eher die Ausnahme, durchschnittlich legen meine Weibchen 3 Eier pro Ablage. Carlotta hat immer zwei Gelege, wobei im ersten ein Ei liegt und das zweite leer ist, obwohl sie das gesamte Nistprogramm vollzieht. Nach der Ablage trotten alle Damen immer erst zum Wasser und beginnen dann zu fressen. Ich grabe derweilen die Eier wieder aus und überführe sie in meinen Flächenbrüter der Firma Jäger, wo sie ganz eingegraben bei 33 Grad inkubiert werden.

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Flächeninkubator der Firma Jäger
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Schlupf einer kleinen Thh, zur Dokumentation dem Inkubator entnommen
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Das erste Bad
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1 Woche alter Schlüpfling

Nach 52 bis 65 Tagen schlüpfen dann die Babies mit voll eingezogenem Dottersack.
Sie werden dann von mir gebadet und sofort ins Babyfrühbeet überführt wo sie erstmal ein sehr verstecktes Leben führen. Nach spätestens 10 Tagen sind sie aber täglich kurz bei der Nahrungsaufnahme zu beobachten.
Die Haltung der kleinen Schildkröten unterscheidet sich nicht von der der adulten Tiere. Lediglich sorge ich für ein feuchteres Substrat, damit die kleinen ganz glatt heranwachsen können. Ebenso wie meine adulten Tiere machen auch meine Schlüpflinge bereits im ersten Lebensjahr die notwendige Winterstarre.
Dabei unterscheide ich nicht, ob ein Tier 12 Gramm oder 1000 Gramm wiegt, denn das macht die Natur ja auch nicht.
Im Habitat sind alle Schildkröten den gleichen Witterungseinflüssen ausgeliefert und somit verbietet sich auch in der Wildtierhaltung ein Unterlassen dieses notwendigen Verhaltens. Auch sehe ich nicht, warum Schlüpflinge eine verkürzte Starre halten sollen! Ganz im Gegenteil, sie sind im Habitat früher in den Unterschlüpfen verschwunden und tauchen erst später als die adulten Tiere wieder auf. Durch ihr geringes Eigengewicht können sie plötzliche Temperaturschwankungen nicht so gut ausgleichen und starren daher länger. Schon ab Mitte August bemerken die Tiere die langsam kürzer werdenden Tage und reduzieren bereits ihre Nahrungsaufnahme ein wenig. Mit den kühler werdenden Nächten beginnt noch einmal eine Phase erhöhter Paarungsbereitschaft der Männchen. Nun kommt es zur Befruchtung der Erstgelege, wobei die Weibchen den Samen der Männchen wohl bis zu acht Jahre lang speichern können sollen.

Die Winterstarre

Meine Tiere verlassen spätestens ab Mitte September kaum noch das Gewächshaus und verbringen die meiste Zeit mit ihrer Wärmeregulierung unter den Heizstrahlern. Ich ahme vermehrt Regenfälle mit der Gießkanne und lauwarmen Wasser nach.
Ab Oktober reduziere ich allmählich die Brenndauer der Lampen von anfangs noch 9 Stunden auf 4 Stunden bis Ende des Monats.
Die Schildkröten fressen immer weniger und sonnen sich auch nur noch sporadisch bis das sie schließlich etwa Mitte November ganz in ihrem Unterschlupf bleiben.
Zu diesem Zeitpunkt haben sie nur noch wenig Futter im Verdauungstrakt, welches aber auch für den Erhalt der lebensnotwendigen Darmbakterien benötigt wird. Aus diesem Grund verzichtet man heute auf das früher praktizierte Leerbaden der Tiere. Wichtig ist in der gesamten Phase der Vorbereitung auf die Hibernation, dass stets frisches Wasser zur Verfügung steht. Fallen die Temperaturen in der zweiten Novemberhälfte, stelle ich die Lampen ganz aus und überführe die Tiere bis Anfang März in einen extra für die Tiere angeschafften Flaschenkühlschrank, dessen Temperatur ich auf 5 Grad Celsius regele. In mehrere Plastikboxen gebe ich feuchte Gartenerde bis zur Hälfte und setze darauf die Schildkröten, nachdem ich sie vorher noch einmal auf etwaige Erkrankungen untersucht habe.
Auf die Schildkröten lege ich dann eine dicke Schicht Sphagnum-Moos, welche ich sehr feucht, fast schon nass, halte. Mit dieser erhöhten Nässe habe ich deutlich bessere Erfahrung gemacht als mit nur leicht feuchtem Substrat. In Mittelitalien regnet es im Winter ausgesprochen reichlich, sodass die Tiere eher sehr feucht überwintern. Durch diese hohe Feuchte verlieren die Schildkröten fast kein Gewicht und ich habe seit Jahren damit gute Erfahrungen gemacht. Wichtig ist es, den Kühlschrank immer wieder auf die richtige Temperatur von etwa 5 Grad Celsius zu überprüfen und zweimal wöchentlich die Tür kurz zum Luftaustausch zu öffnen!
Diese Methode hat sich bei mir über Jahre hinweg bewährt und ich kann sie so nur weiterempfehlen. In Nordwestdeutschland, allzumal in der Stadt, sind die Winter zu unbeständig und häufig durch recht milde Phasen unterbrochen, sodass ich eine Überwinterung im Schutzhaus für leider nicht praktikabel erachte.

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Gestapelte Plastikboxen im Überwinterungskühlschrank
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Blick von oben in eine Überwinterungsbox / freigelegte Schildkröten in Starre

Anfang März hole ich die Schildkröten wieder aus dem Kühlschrank und setze sie in ihr Schlafhaus unter Stroh. Schon bald zeigen sich die ersten Tiere und ich schalte die Lampen wieder ein. Zuerst nur einige wenige Stunden, aber nach einer Woche bereits für 9 Stunden am Tag. Nach maximal 2 Wochen Mitte März sind alle Schildkröten wieder erwacht und wohlauf. Sie beginnen mit der Nahrungsaufnahme und es kommt zu ersten Paarungen.

Eine neue spannende Saison im Casa Carapax kann beginnen.

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