Sumpfschildkröten

Meine Emys orbicularis Haltung

Vor vielen Jahre bekam ich immer wieder Nordamerikanische Schmuckschildkröten, vorrangig Rot- und Gelbwangenschmuckschildkröten Trachemys scripta elegans oder Trachemys scripta scripta, geschenkt oder einfach in einer Schüssel vor das Gartentor gestellt.

Schnell habe ich erfahren müssen, dass diese teilweise Suppenteller-großen Tiere nicht wirklich gut in einem Aquarium zu halten sind. Da bot es sich an, dass meine Familie beschloss, im Garten einen 6000 l fassenden Folienteich zu bauen. Wohlwissend, dass früher oder später meine Sumpfschildkröten darin leben sollten, bot ich mich an, den Teich auszuheben und konnte somit direkt mehrere Stufen einplanen, um auch Zonen mit flacherem Wasser, welches sich dann schneller erwärmen kann, zu verwirklichen. Der Teich hat eine Tiefe von etwa 80cm, was im Ruhrgebiet bedeutet, dass er niemals zufrieren wird. Da eine Pumpe beständig Wasser ansaugt und durch einen Filter pumpt, bleibt auch bei strengen Frost von unter minus 10 Grad Celsius immer eine eisfreie Fläche erhalten. Diese Temperaturen sind bei uns jedoch sehr selten.

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Nordamerikanische Schmuckschildkröten
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Gelbwangenschmuck -Schildkröte Trachemys skripta skripta

Leider sind unsere Frühjahre zuweilen lange recht kalt und ich bekam manches Mal ein schlechtes Gewissen. Auch wenn Gelbwangen Schmuckschildkröten durchaus in unseren Wintern im Teich starren können, so macht ihnen ein kaltes Frühjahr doch mehr zu schaffen als den Rotwangen Schmuckschildkröten. Ich entschied mich, nach und nach alle Nordamerikaner zu vermitteln. Aber ein Teich ohne Wasserschildkröten war doch recht langweilig und so entschloss ich mich zur Anschaffung der Europäischen Sumpfschildköte Emys orbicularis orbicularis aus dem osteuropäischen Verbreitungsgebiet. Sie sind optimal an unser Klima angepasst und im Vergleich zu meinen Italienischen Landschildkröten Testudo hermanni hermanni geradezu simpel zu halten. Während wir bei unseren Landschildkröten ein großes Augenmerk auf die Temperaturregulierung der Tiere werfen müssen, denn sie stammen ja bekanntlich aus dem Mittelmeerraum, so sind unsere Emys orbicularis schon fast als heimisch zu betrachten.

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Sumpfschildkröten beim Sonnenbad
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Teilansicht des Emys-Teiches

Reliktvorkommen in Brandenburg oder Baden-Württemberg, aber auch ausgewilderte Populationen in Hessen und in den Rheinauen beweisen dies eindrucksvoll. In meinem Teich lebt nun also eine kleine Gruppe Emys orbicularis ganzjährig und ohne wesentliche Eingriffe meinerseits. Schon im Spätwinter kann man an schönen Tagen das eine oder andere Köpfchen beim Luftholen beobachten. Sobald ab Mitte März die Sonne schon stundenweise den Teich bescheint, kommen meine Sumpfschildkröten aus dem Wasser um die ersten Sonnenbäder zu geniessen. Sie sind anfangs noch recht scheu, was sich aber nach einigen Tagen legt. Da der Teich recht verkrautet ist, haben sie keine Mühe, mit ihren anfangs noch etwas steifen Gliedern die Oberfläche zu erreichen.

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Pepe, 1,0 Emys orbicularis
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Drusilla, 0,1 Emys orbicularis

Im Teich leben recht viele Wasserinsekten und so muss ich vor Ende April/Anfang Mai nicht zufüttern. Das ist eigentlich auch meine ganze pflegerische Tätigkeit. Je nach Bedarf und Wärme füttere ich Rind, Huhn, Forelle, Stinte, Bachflohkrebs und Regenwürmer, Schnecken, Heuschrecken und auch die eine oder andere tote Maus, die unser Kater gnädigerweise beisteuert. Sie wird mit Haut und Haar in den Teich geworfen und auch so gefressen. Mitunter laichen auch mal Erdkröten im Teich, ihre Eier werden sofort ausfindig gemacht und vertilgt. Die ausgewachsenen Erdkröten werden nicht angegriffen, da sie zu einer Zeit zum Ablaichen kommen, in der die Schildkröten noch nicht jagen. Sobald morgens die Sonne auf die ins Wasser ragenden Äste scheint, begeben sie die Sumpfschildkröten auf ihre Sonnenplätze, kühlen sich dann und wann wieder ab und gehen zum Abend vermehrt auf Jagd nach Wasserinsekten.

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Sonnenbad
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Sonnenbad mit Heinrich, einer männl. Mississippi-Höckerschildkröte, ein Abgabetier
nach 5 Jahren Leben in einer Plastikschüssel, seit nun 10 Jahren in Teichhaltung

Schon nach wenigen Tagen wissen die Schildkröten, dass sie abends gefüttert werden und warten oftmals schon am Rand. So schön das auch sein mag, wirklich artgerechtes Verhalten ist das nicht, jedoch reichen die Wasserpflanzen und -insekten nicht aus, um sich ganz autark zu ernähren. Wenn ab Mitte Juni die ersten wirklich schwül-warme Tage Einzug halten, werden meine beiden adulten Weibchen recht unruhig und verlassen auf der Suche nach einem geeigneten Eiablageplatz das Wasser.

Diese Suche dauert oft Tage und kostet mich mehr Nerven als die Schildkröten. Schließich wird der Eiablagehügel akzeptiert. Meine Drusilla legt entweder am ganz frühen Morgen oder aber abends nach Einbruch der Dämmerung – wohlgemerkt zum Sonnenhöchststand im Juni! – bis zu 10 Eier. Morla konnte ich noch nie bei der Ablage beobachten…irgendwie trickst sie mich immer wieder aus….

Eiablage-Drusilla-Juni-2014
Eiablage Drusilla 2014
FreigelegteEier
Freigelegte Eier
9EmysEierimBrueter
9 Emys-Eier im Brüter
Emys-Schluepfling
Einen Tag alter Schlüpfling
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Zwillingsschlupf
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Kleinerer Zwilling ist vor dem Schlupf abgestorben.
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Schlüpflinge im Babybecken
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3-jährige juvenile Emys orbicularis nun im Teich der Adulten

Sobald Drusilla ihre Grube verschlossen hat, kehrt sie ins Wasser zurück und überlässt ihre Eier der Sonne bzw. mir, denn ich grabe sie vorsichtig aus und überführe sie in die Kunstglucke der Firma Jäger bei 30 Grad Celsius, um mehrheitlich weibliche Tiere zu erbrüten. Nach etwa 60 Tagen plus/minus 5 Tage schlüpfen die kleinen Sumpfschildkröten und werden von mir in ein Becken mit etwa 3cm Wasserstand überführt. Wasserpflanzen ermöglichen die ersten Schwimmversuche ohne zu ertrinken, denn wirklich gute Schwimmer sind sie noch nicht. Das Becken stelle ich tagsüber in die Sonne – Schatten muss aber immer vorhanden sein – und nachts ins Gewächshaus. Schon nach wenigen Tagen beginnen die Kleinen mit der Jagd auf Mückenlarven und Würmer. In der Regel suche ich dann ganz allmählich schon nach einem neuen guten Zuhause für den Nachwuchs, was bisher auch immer gelungen ist, sonst machte die Zucht ja auch keinen Sinn!
Verbleiben die Kleinen erstmal bei mir, erhöhe ich langsam den Wasserstand, behandle die kleinen Sumpfschildkröten aber auch nicht anders als ihre Eltern, mit der Ausnahme, dass ich sie vier Monate bei 5 Grad Celsius im Kühlschrank in einer Box mit 5-10cm Wasserstand kontrolliert starren lasse. Ab einem Alter von drei Jahren überführe ich die juvenilen Tiere in den Gartenteich, wo sie nun ganzjährig leben sollen. Die adulten Tiere genießen aus menschlicher Sicht den süßen Müßiggang, bestehend aus Sonnen, Fressen, Schlafen und wieder Sonnen. Mit fallenden Temperaturen und einer niedriger stehenden Sonne bereiten sich die Sumpfschildkröten ab Mitte September allmählich auf die Winterstarre im Schlamm am Bodengrund des Teiches vor.
Füttern muss ich nun nicht mehr. Spätestens Anfang November können auch wärmere Tage die Tiere nicht mehr an die Oberfläche locken. Sie befinden sich bereits in der Starre, auf die sie sich selbstständig vorbereitet haben.
Als Lungenatmer bedienen sie sich eines besonderen Tricks: Sie öffnen leicht das Maul und können so mit ihren Schleimhäuten den Sauerstoff der Wassers herausfiltern.
Ich finde das faszinierend!

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